Gut Öttershausen: Ein Lost Place wird renoviert

Wer zwischen Volkach und Kolitzheim mit dem Auto unterwegs ist, der könnte plötzlich abgelenkt werden. Denn auf einem freien Feld steht ein beeindruckendes Gebäude: drei Stockwerke hoch, eingefallenes Dach, dunkle Fensterhöhlen. Eine richtige Ruine! Fast 1.000 Jahre alt sind die Grundmauern des Gutshofes Ötterhausen. Jetzt feiert der Lost Place Richtfest.
Bewegte Geschichte
Der Gutshof stammt aus dem Jahr 1069. Seine heutige Form erhielt er durch den Architekten Balthasar Neumann - ja, der Balthasar Neumann, der auch die Würzburger Residenz gestaltet hat. Und das macht den Bau auch so besonders. Denn der Baumeister hat hier im 18. Jahrhundert durch seine Gewölbebauweise ein in dieser Form extrem seltenes Gebäude geschaffen.
Der Zweck war trotzdem recht profan, denn der Gutshof diente vor allem als Kornspeicher. 600 Tonnen Getreide hatten Patz. Bis in die 1970er Jahre lagerte es hier, anschließend befand sich eine Schnapsbrennerei in dem riesigen Gebäude. Seit den 80ern stand der Bau leer und verfiel immer mehr. Bis Reinhard Mast auf den Gutshof aufmerksam wurde.
Renovierung in der Freizeit
2014 war das, und zwar eher zufällig. Den Juristen ließ der riesige Bau nicht mehr los und er entschloss sich, Gut Öttershausen zu retten. Dazu gründete er die Interessengemeinschaft Gut Öttershausen e.V. Der Hof ist immer noch im Besitz des Grafen von Schönborn, dessen Vorfahren den Umbau durch Balthasar Neumann in Auftrag gegeben hatten. Der Graf gab das sogenannte Erbbaurecht an den Verein.
Damit sind Reinhard Mast und seine insgesamt über 40 Helfer 50 Jahre lang quasi die Besitzer des Gebäudes und können dort anpacken. Das passiert ehrenamtlich. "Über 20 Tonnen Schutt haben wir rausgeschafft", sagt Mast. Dazu haben sie Balken ersetzt und provisorische Dächer eingezogen. An erster Stelle stand erst mal die Sicherung der Substanz. Und das ist teuer.
Förderung von Land und Bund
Rund 800.000 Euro sind erst mal geplant. Geld, das größtenteils aus der Förderung kommt. Es springen unter anderem Land und Bund, die Stiftung Denkmalschutz, der Landkreis und auch die Stadt Volkach ein. Zusätzlich haben die Vereinsmitglieder 30.000 Euro gesammelt. "Alle, die gerne spenden möchten oder auch mithelfen, sind natürlich herzlich willkommen", meint Reinhard Mast. Das könnt Ihr hier tun.
Jetzt steht ein provisorisches Dach über dem Hauptgebäude sowie ein Dachstuhl eines weiteren Gebäudeteils. "Tatsächlich war das ein Holzhaufen und jetzt ist es ein großartiger Dachstuhl. Ein tolles Gefühl", freut sich Reinhard Mast. Möglich ist das nur durch die vielen Helfer, die zusammen auf das Ziel hinarbeiten.
Immerhin soll das Haus am Ende ein "Balthasar Neumann Forum" werden. Besucher können sich über den großen Baumeister informieren und das an einem Ort mit Geschichte. Und natürlich können dort alle möglichen kulturellen Veranstaltungen stattfinden.
Die nächsten Schritte
Mit dem Richtfest Anfang Juli ist der erste Schritt geschafft, um das Gebäude zu sichern. Jetzt steht noch das Decken des Daches an und dann geht's irgendwann an die Gewölbe und die sanitären Einrichtungen. "Dann haben wir zumindest ein nutzbares Gebäude, wo wir unser Forum einrichten können", sagt Mast. Wie lange es bis dahin noch dauert und wann der ganze Komplex fertig sein wird, ist noch nicht abzusehen.
Bis dahin ist es noch ein langer Weg. Wer sich den Gutshof Öttershausen noch als Lost Place ansehen will, der kann das mit der virtuellen 360-Grad-Tour machen. Und auch bei Google könnt Ihr Euch den Hof anschauen. Am Balthasar-Neumann-Tag am 23.08. und am Tag des offenen Denkmals am 13.09.2026 könnt Ihr sogar selbst auf Erkundungstour.