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Mainfranken: Krieg behindert Konjunktur-Erholung von Pandemie

Topnews
13.05.2022, 05:30 Uhr in Lokales
1610618759handwerk konjunktur spengler foto www amh online de

Gestiegene Rohstoffpreise, Lieferengpässe und Ausfälle durch Lockdown und Quarantäne. Mit diesen Herausforderungen haben die mainfränkischen Unternehmen schon seit Längerem zu kämpfen. Die Folgen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine verstärken diese Probleme laut IHK aktuell noch weiter.

Zudem bremst der Krieg den Erholungsprozess der mainfränkischen Wirtschaft von den Folgen der Corona-Pandemie aus. Das ist das Ergebnis der aktuellen Konjunkturanalyse der IHK für das Frühjahr 2022.

Der Großteil der befragten Unternehmen gab demnach zwar an, dass ihre Geschäfte derzeit gut oder zufriedenstellend laufen. Gleichzeitig erwartet, aber knapp ein Drittel, dass ihre Geschäfte künftig schlechter laufen als bisher.

Grundsätzlich hatten viele Unternehmen mit dem Auslaufen der Corona-Schutzmaßnahmen und -Auflagen auf eine Erholung der Wirtschaft und einen erneuten Aufschwung der Konjunktur gehofft.

Krieg bremst Erholung aus

Mit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine Ende Februar sind Energie- und Rohstoffpreise allerdings schlagartig und enorm gestiegen. Es kam zu Materialengpässen und Lieferstopps. Viele Werke in Russland und der Ukraine haben vorübergehend ihren Betrieb eingestellt.

Hinzu kommt, dass China wegen erneuter Coronaausbrüche Häfen gesperrt hat. Das führt zu langen Containerschiff-Staus und weiteren Lieferverzögerungen. Grund für den wenig optimistischen Blick einiger der befragten Unternehmen ist auch ein mögliches Energieembargo (einen Einfuhrstopp russischer Kohle hat die EU im April bereits beschlossen) oder der Stopp von Öl- und Gaslieferungen aus Russland, zu dem es in weiteren Sanktionsschritten kommen könnte.

Grundsätzlich halte sich die mainfränkische Wirtschaft aktuell noch gut, gerate aber zunehmend in Schwierigkeiten, so die IHK. Die Folgen des Krieges und der Schwierigkeiten bei den Lieferketten seien bereits spürbar.

Da hilft auch nicht unbedingt die aktuell hohe Inflationsrate von 7,4 Prozent, die die ohnehin schon gestiegenen Kosten weiter in die Höhe treibt und gleichzeitig die Kaufkraft der Kunden senkt. Heißt: vieles wird teurer, während sich die Menschen für ihr Geld gleichzeitig weniger leisten können.

Industrie

Während 37 Prozent der befragten Unternehmen in der Industrie aktuell noch von guten Geschäften sprechen, stellen rund 20 Prozent bei sich das Gegenteil fest. Zwar seien die Betriebe aktuell noch gut ausgelastet – rund die Hälfte gab an voll ausgelastet zu sein.

45 Prozent der Betriebe in der Industrie geht aber davon aus, dass die Geschäftslage sich künftig wieder verschlechtern werde. Nur 14 Prozent blicken positiv in die nahe Zukunft.

Abgesehen von europäischen und dem nordamerikanischen Markt, gehen die exportierenden Unternehmen davon aus, dass die Nachfrage nach ihren Produkten aus dem Ausland vorerst sinken wird. In der Folge plant rund die Hälfte der Industrie-Unternehmen ihre Investitionen zu senken.

Bau

Anders sieht es auf den Baustellen in der Region aus. Hier ist die Lage weiterhin recht gut. So berichten 60 Prozent der befragten Bauunternehmen von guten Geschäften, nur rund 10 Prozent zeigen sich mit der aktuellen Geschäftslage unzufrieden.

Zugpferde in der Branche sind der Wohnungs- und der Wirtschaftsbau (Straßenbau, Sporteinrichtungen, Bürogebäude, usw.). Allerdings spürt auch der Bau die Preissteigerungen und den Materialmangel. Das mache verlässliche Zeit- und Kostenplanungen nur schwer möglich.

Über die Hälfte der Betriebe geht deswegen aktuell davon aus, dass die Geschäftslage sich künftig verschlechtert.

Handel

Besonders von dem Ende der Corona-Beschränkungen profitiert hat der Handel, der in der Befragung in der Mehrheit deutliche Umsatzsteigerungen angibt. Das betrifft aber vor allem den Großhandel. Im Einzelhandel fallen die Umsatzsteigerungen fast ausschließlich auf das Onlinegeschäft ab. Aber auch im Handel dämpft der Krieg bereits die Prognosen. Steigende Transportkosten, Lieferschwierigkeiten und eben die hohe Inflationsrate, die die Kaufkraft deutlich senkt, trüben die Erwartungen der mainfränkischen Händler an die künftige Geschäftslage.

Dienstleistung

Seit Jahresbeginn fast unverändert gut ist hingegen die Geschäftslage bei den Dienstleistern der Region. Über 90 Prozent der Befragten spricht von guten oder zufriedenstellenden Geschäften.

Besonders die körpernahen Dienstleister wie Kosmetikerinnen und Kosmetiker, Fußpflege, Friseure u.Ä. profitieren vom Wegfall der Pandemie-Auflagen. Das führe zu steigenden Umsätzen und hoher Auslastung.

Aber auch diese Branche bleibt natürlich nicht von den aktuellen Umständen verschont. So gibt ein Viertel an, in der Zukunft mit einer etwas schlechteren Geschäftslage zu rechnen. Besonders betroffen ist hier das Transportgewerbe, das die steigenden Spritpreise deutlich spürt.

Aber: als einzige Branche planen die Dienstleister Investitionen, um weiter zu wachsen. Schwerpunkte liegen hierbei bei den Themen Umweltschutz und Produktinnovation.

Risiken für Konjunkturerholung

Als größte Konjunkturrisiken sehen die von der IHK befragten Unternehmen mit 77 Prozent (+ 12 Prozent im Vergleich zum Jahresbeginn) die Energie- und Rohstoffpreise und 59 Prozent (- 4 Prozent im Vergleich zum Jahresbeginn) den Fachkräftemangel.

Auf Platz drei stehen, mit steigender Tendenz, die Wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, die 49 Prozent (+ 5 Prozent im Vergleich zum Jahresbeginn) der Unternehmen als Konjunkturrisiko angeben.